Rund ums Trinken

getränkeplanTrinken ist ein häufiges und wichtiges Thema bei fast allen nierenkranken Patienten, manche müssen viel Flüssgkeit zu sich nehmen, andere dürfen kaum etwas trinken.
Gerade bei Kindern ist das wie wir wissen nicht immer ganz einfach!

Wir hoffen Ihnen auf dieser Seite einige Tipps zu geben, die Sie in Ihren Alltag integrieren können.


Warum ist das Trinken eigentlich so wichtig und warum sind die Empfehlungen je nach Erkrankung unterschiedlich?

Trinken ist ein häufiges und wichtiges Thema bei fast allen unseren Patienten in der Nierenambulanz. Aber was passiert überhaupt mit der getrunkenen Flüssigkeit und wofür ist das Wasser im Körper eigentlich so wichtig?

Die Flüssigkeit wird über den Darm in die Blutbahn aufgenommen und dient dort als Lösungs- und Transportmittel für Mineralstoffe, Spurenelemente sowie für Nahrungsbestandteile. Ebenso wird der Blutdruck durch das Wasser und die gelösten Salze aufrechterhalten bzw. reguliert. Auch viele Stoffwechselvorgänge funktionieren nur mit Wasser als Reaktionspartner. Eine weitere wichtige Aufgabe von Wasser ist die Regulation der Temperatur – stets wird ein Teil des Wassers als Wasserdampf (Schwitzen) über die Haut abgegeben, bei starker Anstrengung oder Sport hält der Körper unsere Temperatur über vermehrte Wasserverdunstung auf diesem Wege stabil. Wenn man sich viel bewegt, Kinder die ganze Zeit wild spielen und toben, aber auch bei durch Fieber erhöhter Körpertemperatur, ist daher zusätzliches Trinken ganz wichtig, um dem Körper entsprechend mehr Wasser zur Verfügung zu stellen.

Der größte Teil der Flüssigkeit gelangt schließlich in die Nieren, die den Wasserhaushalt ganz genau regulieren und einen wichtigen Teil zur Entgiftung des Körpers beitragen. In den Filtereinheiten der Niere werden zunächst etwa 180 Liter eines sogenannten Ersturins pro Tag in die Nierenkanälchen (Tubuli) abgegeben.  Aus den Tubuli wird der meiste Teil wieder über die kleinen Tubuluszellen ins Blut „zurückgesogen“ und der überschüssige Anteil gemeinsam mit dem „Stoffwechselabfall“ (Harnstoff), sowie Salzen (Natrium, Kalium) und Giftstoffen über die Harnleiter in die Blase befördert und schließlich als Urin ausgeschieden.

Ist für diese Prozesse zu wenig Flüssigkeit vorhanden, können die unbedingt über die Nieren auszuscheidenden Stoffe nicht gelöst werden und es kann zur Bildung von Nierensteinen kommen. Um die Bildung solcher Nierensteine, die sehr schmerzhaft sein können, im Ernstfall operativ entfernt werden müssen und, insbesondere aber auch das Nierengewebe schädigenund so die Nierenfunktion einschränken können zu vermeiden ist eine ausreichende Trinkmenge daher unerlässlich.

Kindern mit besonderen Risikofaktoren zur Bildung von Nierensteinen (insbesondere Kinder mit angeborenen Erkrankungen wie der primären Hyperoxalurie oder Cystinurie, außerdem Kinder mit tubulärer Azidose, aber auch nahezu alle transplantierten Kinder) empfehlen wir daher eine deutlich höhere Trinkmenge, um eben die Steinbildung zu vermeiden oder zumindest zu verringern. Aber es gilt auch generell, dass es für jede funktionierende Niere leichter ist, eine gute Entgiftung zu erzielen, wenn sie dafür viel Flüssigkeit zur Verfügung hat – die Niere wird so quasi „gespült“, das Blutvolumen läuft häufiger durch die Nierenkanälchen und die Nierenzellen können so Giftstoffe und Salze leichter ausscheiden und im Urin lösen.

Auch Kinder mit häufigen Harnwegsinfekten profitieren  von einer erhöhten Trinkmenge, da möglicherweise krankheitserregende Bakterien so immer wieder aus Niere und Blase ausgeschwemmt werden und sich nicht so rasch ansiedeln können.

Eine hohe Trinkmenge, die der Niere ihre Aufgabe erleichtert,  gilt also für Kinder mit Steinbildungsrisiko, mit häufigen Harnwegsinfekten, sowie für Kinder, die aufgrund einer Fehlbildung oder Operation nur eine funktionierende Niere haben, ebenso auch für transplantierte Kinder und insbesondere für fast alle Kinder mit eingeschränkter Nierenfunktion, die noch nicht an der Dialyse sind. Bei diesen letztgenannten Kindern versucht man über eine hohe Flüssigkeitszufuhr und damit höhere Urinproduktion einfach noch die letzten Reserven der Nieren „herauszukitzeln“ um mehr Abfallprodukte zur Ausscheidung über den Urin zu bringen und damit die Dialysenotwendigkeit noch eine Weile hinausschieben zu können.

Transplantierte Nieren reagieren viel intensiver auf Schwankungen im Flüssigkeitshaushalt und „brauchen“ einfach eine gute Flüssigkeitszufuhr zum guten Funktionieren.

Für Kinder an der Dialyse, insbesondere an der Blut-/Hämodialyse, gelten ganz andere Empfehlungen. Oft funktioniert die Niere gar nicht mehr, die Entgiftung ist auf normalem Wege nicht mehr möglich, es wird auch kein Urin mehr gebildet und das getrunkene Wasser kann überhaupt nicht mehr (oder nur teilweise) ausgeschieden werden. Da die  Bauchfelldialyse als Nierenersatztherapie in der Regel jede Nacht durchgeführt wird, ist hier eine Einschränkung der Trinkmenge meist nicht notwendig, denn über die Dialyse wird auch die aufgenommene Flüssigkeit (und damit auch die Giftstoffe) jede Nacht wieder abgezogen. Die Hämodialyse hingegen findet „nur“ 3x/Woche für 3-5 Stunden statt; in dieser Zeit ist es oft nicht möglich, unbegrenzt Flüssigkeit wieder zu entziehen – es darf also zwischen den Dialysetagen nur soviel getrunken werden, wie man an der Dialyse dann auch wieder entfernen kann.

Haben die Kinder zu viel getrunken, müssen wir die Dialyse verlängern, um dem Körper doch noch mehr Flüssigkeit zu entziehen. Das im Körper verbleibende Wasser wird sonst im Gewebe eingelagert, führt zu Bluthochdruck und bringt den Salzhaushalt durcheinander.  Sowohl diese ständige Einschränkung der erlaubten Trinkmenge wie auch eine besonders hohe Flüssigkeitszufuhr z.B. knapp vor der Einleitung einer Dialyse oder nach der Transplantation ist für die Kinder und Jugendlichen oft schwierig einzuhalten und erfordert von ihnen sowie ihren Familien ganz viel Disziplin und Mitarbeit! Gerade die Änderungen in den Empfehlungen, wie wenig trinken an der Dialyse und plötzlich ganz viel trinken nach der Transplantation bringt oft ganz viele Probleme und Verständnisschwierigkeiten mit sich.  Wir freuen uns, dass dies in den meisten Fällen trotz allem so gut klappt; anderenfalls haben wir gemeinsam mit Frau Oster aber auch einige hilfreiche Tricks, Ideen und Hilfestellungen entwickelt, um eben das gewünschte Trinkmengen-Ziel etwas leichter zu erreichen.

Dr. Sandra Habbig

Ärztin Station Kinder I


Mama wie viel muss ich trinken?

Wasser ist ein wichtiger Bestandteil unseres Körpers. Er ist unter anderem abhängig vom Alter; so beträgt er beim Säugling ca. 75 % des Gewichtes und beim Erwachsenen immerhin noch 60 %. Es dient als Baustoff für Blut, Verdauungssäfte, Lymphe, als Lösungs- und Transportmittel für Vitamine, Mineralstoffe und Nährstoffe und letztendlich als Regulator für unsere Körpertemperatur. Diese wenigen Beispiele zeigen wie wichtig es ist, hier für Stabilität zu sorgen. Im Normalfall herrscht ein Gleichgewicht zwischen Aufnahme (Getränke und Essen) und Abgabe über Nieren, Lunge und Haut.
So hat z.B. ein 10-jähriges Kind einen Flüssigkeitsbedarf von ca. 2 Litern. Da es über die Nahrung im Durchschnitt ca. 700-900 ml Flüssigkeit aufnimmt, bliebe ein Rest von 1 Liter an Getränken. Die gesunde Niere, die unter anderem für den Wasserhaushalt verantwortlich ist, kann auch mit weniger oder mehr umgehen, d.h. sie kompensiert entsprechend den Bedarf. Anders verhält es sich, wenn die Niere krank ist. Jetzt braucht sie, um die Substanzen wieder loszuwerden, mehr Flüssigkeit. Nun heißt es “deutlich mehr trinken“.
An dem eben genannten Beispiel, würde das jetzt bedeuten, statt einem Liter
2 Liter und mehr trinken!Um das täglich zu schaffen, muss ein Großteil der Getränke mit in die Schule genommen werden. Hier ist in jedem Fall angezeigt, die Lehrer von der Notwendigkeit zu überzeugen. Wer viel trinkt, muss auch häufig zur Toilette. Ein klärendes Gespräch mit der Klasse verhindert Missstimmung. Geeignete Getränke sind Mineralwasser, Früchte-, Kräutertee und Limonaden. 
In manchen Fällen ist die Niere nicht mehr in der Lage sich zu erholen. Dann kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem sie ihren Aufgaben nicht mehr gerecht werden kann und man ein Hilfsmittel (Dialyse) in Anspruch nehmen muss.Abhängig von der Restfunktion der Niere und dem Dialysierverfahren (Hämodialyse/Peritonealdialyse) gestaltet sich die erlaubte Trinkmenge und diese ist häufig enorm eingeschränkt. Jetzt heißt es nicht mehr „powern“, sondern mit der Flüssigkeit geizen.

Um diese Herausforderung zu meistern, hier ein paar Tipps: 
-  Stark gesalzene und süße Speisen und Getränke machen durstig
-  Sehr wasserhaltige Lebensmittel einschränken
-  Suppen meiden
-  Die erlaubte Trinkmenge abmessen und kleine Trinkgefäße benutzen

Ursula Spiering
Ernährungsberaterin der Dialyse Ambulanz
jetzt im Ruhestand